FREUDE in der Bibel:

GROSSGESCHRIEBEN

Ein Überblick des Theologen Dr. Dr. Roland Werner

Freude wird in der Bibel ganz großgeschrieben!

Freude wird in der Bibel großgeschrieben. In der Lutherbibel (2017) erscheint das Wort Freude 199mal als Hauptwort, der Infinitiv „freuen“ 70mal, die Verbform „freue“ 43mal und so weiter: ziemlich häufig für ein Buch, das oft in einen schwarzen Einband gebunden ist.

Auffällig: „Freude“ erscheint nicht nur als Gefühlszustand von Menschen, sondern wird häufig auch über Gott ausgesagt: „Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich“ (Psalm 16,11).

Gott ist nicht nur Schöpfer und Ursprung des Lebens, sondern auch Urquell der Freude: „Hoheit und Pracht sind vor ihm, Macht und Freude an seinem Ort“ (1 Chr 16,27). Wer Gott begegnet, wird erfasst von Freude: „Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden“ (Ps 34, 6).

Nach allen Nöten und Bedrängnissen, die über sein Volk gegangen sind, will Gott Israel eine neue Zeit der Freude schenken: „Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich erschaffe Jerusalem zur Wonne und sein Volk zur Freude“ (Jes 65,18). Ja, Gott will seinem Volk Heil und Erlösung bringen. Wiederherzustellen und zu retten, was verloren ist, ist seine Freude: „Denn der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland. Er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein, er wird dir vergeben in seiner Liebe und wird über dich mit Jauchzen fröhlich sein“ (Zef 3,17). 

Mit diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass im Neuen Testament das Thema „Freude“ auch einen zentralen Platz einnimmt. Schon die Ankündigung der Geburt Jesu durch den Engel steht unter diesem Vorzeichen: „Siehe, ich verkündige euch große Freude...“ (Lk 2,10). In drei zentralen Gleichnissen Jesu – vom Groschen, vom Schaf und vom Sohn, die alle verloren und wiedergefunden wurden – ertönt je- des Mal der Aufruf zu Freude: „Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war“ (Lk 15,6). Als Echo darauf betont Jesus: „Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunndneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen“ (Lk 15,7). Ähnlich enden die beiden anderen Gleichnisse mit der Aufforderung zur Freude (Lk 15,9-10; Lk 15,23.32) und mit der Aussage: „...sie fingen an, fröhlich zu sein“ (Lk 15,24). Freude ist nach Aussage des Apostels Paulus eine Frucht  es Heiligen Geistes (Gal 5,22). Sein Brief aus dem Gefängnis an die jungen Christen in Philippi ist durchzogen vom Glanz der Freude und endet mit dem Aufruf zur Freude, unabhängig von äußeren Umständen (Phil 4,4). Der Apostel Petrus ermutigt zum Jubel gerade auch in Verfolgung und Leid (1 Petr 4,13), ebenso wie der Apostel Jakobus (1,2- 3). Darin nehmen die Jesusschüler die Aussagen ihres Meisters auf, der  ie in der Bergpredigt lehrte: „Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen. Seid fröhlich und jubelt; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden“ (Mt 5,11-12).

Das gesamtbiblische Zeugnis ist eindeutig: Gott ist ein Gott der Freude. Er freut sich über seine Schöpfung und über seine Kinder. Er ruft uns zur Freude auf, auch  angesichts von Leiderfahrungen. Denn es stimmt immer und überall, was Gottes Geist durch Nehemia sagte: „Die Freude am Herrn ist eure Stärke“ (Neh 8,10). Freude bricht sich da Bahn, wo wir Gott zutrauen,  dass er alles zum Guten wenden kann und will. Das ist schon die Hoffnung und die Erfahrung des Psalmbeters: „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten“ (Ps 126,5). Dass wir Christen hier und heute diese Freude erleben und ausstrah len, kann und sollte Teil unseres Gebetes sein: „Lass mich wieder Jubel und Freude hören... Beglücke mich wieder mit dem Jubel über deine Hilfe!“ (Ps 51,10.14).  

Roland Werner

Roland Werner (Marburg) ist Sprachwissenschaftler, Theologe, Vorsitzender von proChrist und der Koalition für Evangelisation