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04.01.2017 Zur 171. Allianzgebetswoche

04.01.2017

Zur 171. Allianzgebetswoche

Warum wird eigentlich so wenig gebetet? Interview mit Rainer Harter, Leiter des Gebetshauses in Freiburg und idea-Reporter Karsten Huhn

Vom 8. bis 15. Januar kommen Christen aus Landes- und Freikirchen in vielen Staaten zur Internationalen Gebetswoche der Evangelischen Allianz zusammen. Sie wird traditionell am Jahresanfang zum 171. Mal von dem evangelikalen Dachverband durchgeführt – in Deutschland an etwa 1.000 Orten. Der Gründer und Leiter des Gebetshauses Freiburg, Rainer Harter, möchte die Begeisterung fürs Gebet wecken. Darüber sprach mit ihm idea-Reporter Karsten Huhn.

idea: Herr Harter, Sie vermissen bei vielen Christen die Leidenschaft fürs Gebet. Steht es wirklich so schlimm?

Harter: Von allen Veranstaltungen in Gemeinden sind Gebetstreffen meistens leider am schlechtesten besucht. Viele Leute sagen mir, dass ihr Gebetsleben eher anstrengend und langweilig sei als erfüllend und schön.

idea: Woran liegt das?

Harter: An drei Dingen: 
1. An einem falschen Gottesbild. Wenn ich Gott nicht mehr verstehe, lese ich die Evangelien, um ihm wieder näherzukommen. Leider gibt es aber nur wenige Menschen, die sich intensiv mit der Bibel beschäftigen. Unser Gottesbild wird auch stark von unserem eigenen, leiblichen Vater geprägt. Und viele Christen haben einen Vater, der auf die eine oder andere Art versagt hat.
2. An unserem Selbstbild. Wer ein negatives Selbstbild hat, fühlt sich auch von Gott nicht willkommen geheißen.

Ist Beten Zeitverschwendung?

idea: Beim Beten sind viele Christen nicht besonders leistungsgetrieben.

Harter: Das stimmt. Gebet ist auch keine Leistung, sondern immer Begegnung mit Gott. Wer davon nicht überzeugt ist, wird seine Anerkennung bei Menschen suchen. Da Gebet keine Leistung ist, für die man von anderen Menschen Anerkennung erhält, klopft mir niemand auf die Schulter, weil ich viel bete.

idea: Im Gegenteil: Wer viel betet, gilt als frommer Spinner.

Harter: Genau! Wer viel betet, verschwendet seine Zeit – diesen Vorwurf hören wir auch immer wieder: Ihr betet ja nur – warum arbeitet ihr nicht?

idea: Was entgegnen Sie?

Harter: Ich lade die Menschen dazu ein, mich eine Woche im Gebet zu begleiten. Und ich erkläre, wie viel in der Bibel von Gottes Wunsch nach Kommunikation mit uns Menschen die Rede ist.

idea: Und was passiert dann? Man spricht mit Gott, erhält aber keine Antwort von ihm.

Harter: Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass im Gebetshaus Freiburg Gott ständig mit uns redet. Ich erlebe Gott so, dass er es liebt, wenn wir zu ihm beten. Es gibt kaum einen Aufruf, der in der Bibel so oft wiederholt wird wie: „Betet!“ „Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet“, heißt es in Jakobus 4,2. Und der Apostel Paulus schreibt in 1. Timotheus 2,1: „So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit.“ Gott möchte mit uns zusammen sein. Wir sind dazu gerufen, zu beten – also tun wir es unabhängig davon, ob wir Gottes Stimme hören oder nicht. Mit unseren Gebeten und Liedern zeigen wir Gott unseren Respekt und unsere Zuneigung. Mein Vorbild sind die vier Engelwesen aus der Offenbarung, von denen es heißt: „Sie waren rundum und innen voller Augen, und sie hatten keine Ruhe Tag und Nacht und sprachen: Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr“ (4,8). Den Engeln wurde vor Gottes Thron offensichtlich nicht langweilig.

Mit Gott kann es nicht langweilig sein

idea: Für die meisten Menschen ist es eine Schreckensvision, in Ewigkeit „Heilig, heilig“ ausrufen zu müssen.

Harter: Für mich ist es das nicht! Ich glaube nicht an den „Münchner im Himmel“, von dem der bayerische Schriftsteller Ludwig Thoma schreibt. Er bekommt von den Engeln eine Harfe und eine Wolke zugeteilt und muss gemäß der himmlischen Hausordnung nach einem festen Terminplan frohlocken und bis in alle Ewigkeit Halleluja singen. Am ersten Tag macht er das voller Euphorie, am zweiten Tag verliert er die Freude daran, und am dritten Tag hört sich sein Halleluja wie Fluchen an. So ähnlich stellen sich viele Christen den Himmel vor. Die Bibel zeichnet von Gottes Herrlichkeit aber ein anderes Bild. Die Menschen, die Gott begegnet sind, etwa Mose, sind von ihm völlig überwältigt und können kaum in Worte fassen, was sie gesehen haben. Deshalb schreibt Johannes zum Beispiel: „Und vor dem Thron war es wie ein gläsernes Meer“ (Offenbarung 4,6). Er vergleicht das, was er gesehen hat, mit Dingen, die ihm bekannt waren – weil Gottes Gegenwart für ihn unbeschreiblich war. Ihm fehlen schlicht die Worte. Daraus schließe ich: Gott muss so umwerfend schön sein, dass es nicht langweilig sein kann, ihn zu sehen. Die Engelwesen aus Offenbarung 4 haben vielleicht deshalb so viele Augen, weil es bei Gott so viel zu sehen gibt, dass uns die Augen übergehen. Wir werden uns an Gott nicht sattsehen können.

idea: So eine Gotteserscheinung hätte ich auch gerne mal. Aber ich bin nicht Mose.

Harter: Eine so umwerfende Gotteserscheinung wie Mose habe ich auch noch nicht gehabt. Ich habe aber durch das kontinuierliche Gebet Gottes Gegenwart erfahren – auch wenn ich ihn nicht sehen kann. Als Christen sind wir eingeladen zum „Thron der Gnade“ (Hebräer 4,16), dorthin gehe ich mit meinen Gebeten. Dadurch hat sich in meinem Herzen eine Tür für die „Augen des Herzens“ aufgetan.

Ist das nicht mystisch?

idea: Das hört sich mystisch an.

Harter: Das ist es auch. Aber auch der Apostel Paulus war ein Mystiker. Er schreibt davon im Brief an die Epheser 1,18: „Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist.“

idea: Gilt beim Beten: Viel hilft viel?

Harter: Gilt beim Lieben: Viel hilft viel? Gebet ist für mich ein Ausdruck der Liebe zu Gott. Im Neuen Testament wird die Gemeinde Jesu Braut genannt. Mir hilft es, wenn ich das Gebet zu Gott mit dem Verhältnis in meiner Ehe beschreibe: Ich bin meiner Frau gehorsam, wenn sie zu mir sagt: „Schatz, bring doch noch den Müll raus.“ Das mache ich, auch wenn es draußen regnet und ich keine Lust dazu habe. Diesen Gehorsam leiste ich aus Liebe. Und wenn ich mit meiner Frau spreche, tue ich das nicht gezwungenermaßen, sondern aus Liebe. Wenn ich mit ihr viel in Austausch, Gemeinschaft und Intimität lebe, wird meine Liebe zu ihr wachsen. So ist es auch bei Gott. Deshalb will ich viel mit ihm zusammen sein.

Was ich als einstiger Pfingstler von Katholiken lernte

idea: Ein kurzes, knackiges Vaterunser reicht nicht?

Harter: Das bete ich auch! Aber daneben eben auch liturgische und freie Gebete.

idea: Sie orientieren sich auch an katholischen und orthodoxen Gebetsriten. Was kann man von denen lernen?

Harter: Ein heißes Thema! Den einen bin ich zu charismatisch, den anderen zu katholisch oder zu orthodox. All das bin ich aber gern. Ich bin in einer Pfingstgemeinde groß geworden und habe dort viel Wertvolles kennengelernt. Was mir fehlte, war Stille. Sie habe ich erst durch die Beschäftigung mit der Kirche vor der Reformation kennengelernt. Wir Protestanten vergessen oft, dass es zwischen den Aposteln und den Reformatoren auch schon Christen gab – und die waren katholisch oder orthodox. Bei den Katholiken habe ich den Schatz des stillen Gebets, der Kontemplation, entdeckt. Es geht zurück auf König David, der in Psalm 27,4 betet: „Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne: dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn und seinen Tempel zu betrachten.“ Dass es auch Gebet ist, in Gottes Gegenwart zu sitzen und nachzudenken, hatte mir zuvor noch nie jemand gesagt. Von den Katholiken können wir ein größeres Verständnis für die geheimnisvollen Seiten des Gebets lernen. Protestanten haben oft ein rein funktionales, ergebnisorientiertes Verständnis von Gebet. Man betet jeden Tag eine Liste von Gebetsanliegen herunter, aber Gott Worte der Liebe zu schenken, ohne etwas von ihm zu wollen, ist deutlich seltener. 

idea: Wie machen es die orthodoxen Christen?

Harter: Bei ihnen gefällt mir das Verständnis der Dreieinigkeit: Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist sind einander zugewandt und glücklich mit sich selbst. Gott geht es gut mit Gott, er braucht den Menschen eigentlich gar nicht zu seinem Glück. Ihm geht es aber so gut, dass er uns Menschen an seiner Liebe teilhaben lassen will. Dies können wir durch das Gebet. Die Orthodoxen praktizieren zum Beispiel das Herzensgebet. Es hat auch mein Leben verändert. Man betet im Rhythmus des Atmens und des Herzschlags. Für manche evangelikale Christen klingt das nach Okkultismus oder Esoterik.

idea: Selbst Evangelikale müssen ein- und ausatmen.

Harter: Von manchen Kreisen werde ich dennoch komisch beäugt, weil ihnen diese Form des Gebets fremd ist. Dabei sagt der Apostel Paulus in 1. Thessalonicher 5,17: „Betet ohne Unterlass“. Das schafft aber kein Mensch. Aber wir atmen unaufhörlich. Ich habe gelernt, meine Gebete an meinen Atem zu koppeln. Das Schöne daran: Wenn ich zum Beispiel im Supermarkt in einer langen Schlange vor der Kasse stehe, denke ich nicht: Die Frau sieht aber hübsch aus, und der sieht aber blöd aus, sondern konzentriere mich auf meinen Atem und bete. Mein Gehirn ist es inzwischen gewohnt zu beten – und das macht mich glücklich.

idea: Gibt es auch etwas, was man von Evangelikalen lernen kann?

Harter: Ich bin ein Freund von Traditionen und Ritualen. Problematisch wird es, wenn sie inhaltsleer werden und Gebete nur noch mechanisch abgeleistet werden. Was die evangelikale Bewegung vielen katholischen, orthodoxen und wohl auch protestantischen Christen zeigen kann: Das Leben mit Gott findet nicht nur in feststehenden, sondern auch in freien Gebeten statt. Und beten kann man auch in der Badewanne oder beim Einkaufen.

Wozu braucht es Gebetshäuser?

idea: Sie haben in Freiburg ein Gebetshaus gegründet. Warum? Jede Kirche soll doch ein Bethaus sein.

Harter: Als ich 1999 von Gott den Ruf dazu bekam, wusste ich auf diese Frage auch keine Antwort. Ich habe die Bibel studiert und den Rat anderer Christen gesucht. Mittlerweile lautet meine Antwort: Gebetshäuser sind Fachabteilungen im Reich Gottes, ähnlich den Klöstern, in denen sich Mönche und Nonnen besonders dem Gebet widmen. Wir in Freiburg verstehen uns auch als neoklösterliche Bewegung.

idea: Der Vorteil: Ihre Beter müssen sich weder in die Einöde begeben noch zu lebenslanger Keuschheit verpflichten …

Harter: … und sie können in ihrem bisherigen Beruf bleiben. Deshalb haben wir auch keinen Mangel an jungen Betern. Und junge Leute ziehen wiederum weitere junge Leute an. Ich denke, dass die Entstehung von Gebetshäusern ein prophetisches Zeichen ist, das eifersüchtig machen soll: Gemeinden sehen hier, dass Gebet Freude macht, und sie können für ihr eigenes Gebetsleben lernen. Ich sehe allerdings die rasante E