Die Gnade allein - unsere Chance

Dienstag, 10. Januar 2017

Bibeltext: Römer 3, 21-24 | Ergänzungstext: 1. Korinther 15, 10

Impuls

"Jetzt streng dich gefälligst an, sonst schaffst du es nie!“ So lauten die Ermahnungen, mehr oder weniger streng, von Mutter, Lehrer, Chef oder anderen Vorgesetzten im Privatleben, in der Ausbildung, im Beruf und überhaupt im Alltag. Jeder kann sich auch selbst solch eine Ermahnung sagen. „Das ist jetzt meine letzte Chance. Ich muss mich einfach mehr anstrengen.“

Und selbst wenn ich mich anstrenge, merke ich oft, wie schnell ich an meine Grenzen komme. Eigentlich wollte ich mich mit meiner Freundin treffen und mich bei ihr für das letzte unfreundliche Gespräch entschuldigen. Aber dann war mir doch wieder etwas anderes wichtiger und die Versöhnung blieb auf der Strecke, obwohl ich es mir fest vorgenommen hatte. Wer ehrlich mit sich selbst ist, entdeckt sehr schnell die Grenzen seiner Möglichkeiten, die Fehler und das Versagen. Und dabei geht es um mehr als gute Zensuren, bestandene Prüfungen, Erfolg im Beruf und ein gelungenes Leben nach den Maßstäben der Menschen. Es geht um ein Leben, das vor den Augen Gottes Bestand hat. Und da sind alle meine Anstrengungen, in seinen Augen würdig zu sein, unsinnig und überflüssig.

Der Apostel Paulus kann mit Recht von sich sagen, dass er viel mehr gearbeitet hat als alle anderen. Trotzdem ist er nicht stolz, sondern demütig, weil er weiß, dass er ohne Gottes Gnade gar nichts geschafft hätte. Auch Martin Luther hat in seinem Leben und Wirken nur allzu oft erfahren, dass der (später von Goethe bekannt gewordene) Satz „Wer immer strebend sich bemüht, den werden wir erlösen“ einfach nicht stimmt. Und so hat seine Erfahrung unser Leistungsprinzip auf den Kopf gestellt und zur Grundlage der Reformation gemacht.

Es geht nicht um Leistung und Lohn, sondern um Gnade. Der Mensch ist passiv, der aktiv Handelnde ist Gott. Wenn ich mit meinen Anstrengungen am Ende bin und selbst meine letzte Chance vertan habe, dann fängt meine Geschichte bei Gott erst an. Er schenkt mir nicht nur eine neue Chance, sondern die beste und einzige, die mir helfen kann: seine Gnade durch die Erlösung seines Sohnes Jesus, die er für mich am Kreuz erlitten hat. Ohne diese Gnade habe ich keine Chance, weder im Leben, noch im Sterben. Aber mit dem Geschenk seiner Gnade bin ich, was ich bin: 
Sein geliebtes Kind.

Marieluise Bierbaum, Lehrerin i.R., Referentin, Bremen

  • Biblisches Gebet

    Psalm 103

    Beten

    Dank

    • Dass Gott mir persönlich und auch vielen in meiner Familie, von meinen Bekannten und Freunden Gnade und Versöhnung geschenkt hat.
    • Für Gottes Angebot der Versöhnung überhaupt: Auch wenn wir es nicht schaffen, „schaffen“ wir es, aufeinander zuzugehen und Versöhnung zu suchen. Weil Gott selber den ersten Schritt gemacht hat.

    Buße

    • Was ich von Gott erhalten habe, seine Gnade, möchte ich auch mit anderen Menschen teilen. Das tue ich viel zu wenig.
    • Rasch sind die Gefühle wieder da, dass ich in mir selber und durch meine Leistung meinen Selbstwert suchen muss. Das ist falsch. „Hilf uns, gnädiger Gott und Vater, dass wir täglich umkehren und uns allein auf deine Gnade verlassen!“

    Bitte

    • für Bibelübersetzungen in weiteren Sprachen dieser Welt
    • dass in Gemeinden und Gottesdiensten Gottes Wort gesagt und gehört wird
    • dass wir vermehrt Bibeltexte in unserem „Herzen tragen“. Im Englischen heißt „auswendig lernen“ übersetzt: „mit dem Herzen lernen“.
  • Das Gebetstreffen sollte heute ganz unter dem Thema „Dank“ stehen.

    • Lied: „Allein deine Gnade genügt“ aus „Feiert Jesus“
    • Psalm 103 im Wechsel beten
    • Allgemeine Dankgebete im großen Kreis
    • Lied: „Ach bleib mit deiner Gnade“ EG 347
    • Zeit der Stille, in der jeder über die Dinge in seinem Leben nachdenkt, für die er Gott dankbar ist
    • Möglichkeit für ein Zeugnis: Einzelne Teilnehmer berichten über eine besondere Lebenssituation, in der sie die Gnade Gottes erlebt haben.
    • Vaterunser und Segen
    • Lied: „Geh unter der Gnade“ GL 730

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